Nach meiner ursprünglichen Bewerbung erhielt ich eine E-Mail vom Leiter der Personalabteilung, in der er mir mitteilte, dass die Einstellungsmanager in den nächsten paar Tagen ein Bewerbungsgespräch mit mir per Telefon abhalten wollten. Wir vereinbarten eine Zeit und ein paar Tage später hatte ich ein Bewerbungsgespräch über das Telefon mit dem Senior Produktmanager und dem Leiter des Produktmanagements. In den nächsten anderthalb Stunden unterhielten wir uns über die Einzelheiten meines Hintergrunds. Die erste Frage war etwas wie „Bieten Sie mir einen Einblick in Ihre Erfahrung/Erzählen Sie mir über sich“. Im Laufe des Bewerbungsgesprächs kamen eine Reihe weiterer „Standard“-Fragen auf wie etwa „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“, „Erzählen Sie mir von einer Situation, in der Sie mit einem schwierigen Kollegen klarkommen mussten“, „Was würden Ihre früheren Kollegen sagen, wie es war, mit Ihnen zu arbeiten?“ und natürlich die Frage „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“. Gegen Ende des Gesprächs kam ein „Mini-Fall“, bei dem mir folgendes Szenario vorgelegt wurde: Sie sind der Produktmanager und Ihnen wurde soeben von R&D mitgeteilt, dass das Produkt, das eigentlich im nächsten Monat veröffentlicht werden sollte, noch weitere sechs Monate warten muss. Was tun Sie? Ich fuhr damit fort, noch einige Fragen zu stellen, um zu verstehen, wie diese Fälle funktionieren, analysierte dann die Informationen und gab einige Empfehlungen mit unterstützenden Argumenten ab. Am Ende des Bewerbungsgesprächs wurde ich eingeladen, um für ein persönliches Treffen und ein Bewerbungsgespräch mit anderen Mitgliedern des „Einstellungskomitees“ nach Schwabmünchen zu kommen. Nach einigen Tagen wurde ich per E-Mail von einem Administrator angeschrieben, der die Einzelheiten über meine Reise und mein Hotel für mich koordinierte. Ich habe auch einen Online-Test (Persönlichkeitstest) abgeschlossen, den mir vom Personalleiter per E-Mail zukommen ließ.
Den folgenden Monat flog ich nach München für das Bewerbungsgespräch. Vom Flughafen aus wurde ich zur Übernachtung in ein kleines Hotel in der Stadt gefahren, wo sich das Büro befand. Am nächsten Morgen wurde ich von den Einstellungsmanagern abgeholt, die mich dann zum Büro fuhren, mich durch das Gebäude führten und mich dann mit den Leuten bekannt machten, mit denen ich das Bewerbungsgespräch durchführen sollte. Diese waren: Der Generaldirektor, der Projektleiter von R&D, der Projektmanager, der Leiter des Projektmanagements und der Senior Produktmanager. Viele der Fragen im persönlichen Gespräch waren im Grunde die gleichen wie beim Telefonat, nur manchmal etwas mehr auf den Beruf bezogen, und drehten sich meist um die Entscheidungen, die ein Produktmanager fällen muss, um die in Konflikten geratenden Aktivitäten verschiedener Abteilungen bei der Veröffentlichung neuer Produkte zu managen. Es gab auch einige Fragen über meinen Hintergrund in Geschäftsplanung und Einhalten von Fristen.
Am Ende des Bewerbungsgesprächs wollten einige der Deutschen das Gespräch auf Deutsch weiterführen, um meine Sprachkompetenz zu beurteilen, auch wenn es keine Voraussetzung für die Stelle war. Danach wurde ich mit den Einstellungsmanagern alleine gelassen, um meine Lohnerwartungen zu besprechen.
Bevor ich ging wurde mir ein abschließender Blick in die Prototyp- und Forschungsabteilung gewährt, wo ich eine informelle Unterhaltung mit einem der Leute von R&D hatte. Ich wurde dann in ein Taxi gesetzt und zur nächsten Bahnstation in Augsburg gebracht.
Mir wurde gesagt, ich würde das Ergebnis des Bewerbungsgesprächs innerhalb von 2 Wochen erfahren. Nach Ablauf der zwei Wochen versuchte ich, den Personalleiter, den Leiter des Produktmanagements und den Senior Produktmanager zu erreichen, die nicht auf Anfragen per Telefon oder E-Mail antworteten. Nach 3 ½ Wochen erhielt ich schließlich eine E-Mail vom Personalleiter, in der ich darüber informiert wurde, dass ich nicht mehr für die Position in Betracht gezogen werde. Ich dankte ihm für die Gelegenheit und fragte nach, wie ich für meine Reisekosten zwischen dem Bahnhof und dem Büro vergütet werden kann – hoffentlich werde ich das!
Der beste Teil war es, den Tag nach dem Bewerbungsgespräch in München zu verbringen, Schweinshaxe zu essen und ein großes Bier zu trinken!