Freundliche Kommunikation mit einer Sekretärin im Vorfeld, Einladung, alles ok. Die Firma war etwas außerhalb und schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, ich habe etwa 30min im Eck in der Eingangshalle gewartet, bis man Zeit für mich fand. Ich bin ca. 6 Stunden für das Gespräch angereist.
Ich habe dann zunächst Fragen zum Unternehmen gestellt (wie viel Mitarbeiter, Fragen zur Positionierung im Markt), daraufhin hat man mir entgegnet, es gehe darum, mich zu testen und diese Informationen könne ich ja bereits im Vorfeld online finden. Ich hatte aber vorher bereits recherchiert und die Bilanzen der letzten 4 Jahre ausgedruckt dabei, was ich dann auch zu erkennen gegeben habe.
Dann hat man mir erklärt, dass man jetzt mit dem Testprozess beginnen möchte. Man würde jetzt 2 Casestudies mit mir machen. Das war natürlich überhaupt kein Problem für mich.
Ich hab dann mein Notizbuch ausgepackt und wurde sofort aufgefordert es wieder einzupacken.
Schließlich habe ich um einen Stift und Extra-Papier gebeten, da der erste "Tester" offensichtlich keine ausgedruckte Casestudy dabei hatte. Im Gegenteil- er hatte sie spontan erfunden. Ich habe mein Telefon herausgeholt, um eine mathematische Aufgabe mit Kommazahlen, die er mir gestellt hatte zu lösen. Bei dem Job ging es laut Ausschreibung um Marktrecherche und die geprüfte Aufgabe hatte nichts mit der Ausschreibung zu tun. Ich habe mich geweigert, das Mitschreiben der Aufgabe zu unterlassen, was er schließlich akzeptiert hat. Ich habe aber nur einen fast leeren Kugelschreiber bekommen, der nur mit erhöhten Druck schreibt.
Er wollte dann auch meine Kopfrechenfähigkeiten "mit 5stelligen Zahlen" nach eigenen Angaben prüfen. Er hat sich sehr unstrukturiert ausgedrückt. Am Ende kam ich für den mathematischen Teil zu einem Ergebnis von 150000. Darauf folgte ein unüberlegtes Kommentar zu meinem weiblichen Geschlecht in Verbindung mit meinen mathematischen Fähigkeiten. Ich habe freundlich geantwortet, dass es mir leid tut, aber dass ich an meiner Hochschule im 1.0% Percentile für die mathematischen Fächer war. Er entgegnete, dann seien die anderen nicht so gut, weil ich hätte mich um 135000 verrechnet. Die Antwort seien nämlich 15000 . Ich entgegnete, dass es gar kein Problem sei, dann rechnen wir einfach nochmal nach. Nach zweifachen Nachrechnen hat der "Prüfer" schließlich eingesehen, dass das Ergebnis 150000 ist. Eine Entschuldigung für das unpassende Kommentar zu Frauen und Mathematikfähigkeiten bekam ich allerdings nicht.
Er verließ stattdessen das Zimmer.
Daraufhin hat der zweite Prüfer den Raum betreten. Er hat mich gefragt, wie das erste Gespräch gelaufen sei und wie mein Eindruck gewesen sei. Ich habe gesagt, dass es nicht das angenehmste Gespräch meines Lebens gewesen sei, ich allerdings mit schwierigen Situationen gut umgehen kann. Daraufhin hat er durch Augenkontakt und Konfrontationsfragen probiert, mich aus der Ruhe zu bringen. Das hat mich allerdings nicht beeindruckt und er hat gesagt, dass ich gut reagiert hätte.
Ich fand die Geste, die hinter dem Gespräch stand, allerdings gar nicht cool. Er war allerdings nicht unfreundlich und hat auch keine unpassenden Kommentare abgegeben.
Schlussendlich hat man mir noch erklärt, warum man Absolventen kein volles Gehalt bezahlen kann, was zugegebenermaßen etwas seltsam war.
Die versprochene Bezahlung der Anfahrt kam trotz doppelter Erinnerung nie, ich habe bereits 5 Tage nach Vorstellungsgespräch bei Sixt einen anderen Job mit fast doppelter Bezahlung angenommen, in dem ich auch befördert worden bin.
Ich bin im Nachhinein glücklich, dass mich dieses Unternehmen nicht eingestellt hat.